Kaffee

Kleine Geschichte der wohl gefährlichsten und schwärzesten Droge der Welt

 

Mode-Droge Kaffee

„C&A, eff-eff, ehh-ehh,
trink n ich' so vi-hiel Ca-ha-ffe
 

Wer kennt ihn nicht, diesen alten Kanon (Einsatz auf ,eff-'), in dem so
eindringlich vor den Gefahren der wohlgefährlichsten, schwärzesten und
beliebtesten Droge gewarnt wird? Wie oft hat man ihn nicht schon seiner alten
Oma und den Eltern vorgesungen, aber hat es geholfen?
Nach wie vor greifen sie manisch zur schwarzen Bohne, zum flüssigen Gift,
das Lebendige totmacht, ja: „Ohne meine 10 Tassen Kaffee morgens würde ich
überhaupt nicht mehr in Schwung kommen!" (Mutti). Erschreckende Zustände.

 

Was macht der Staat gegen die geile Droge Koffein, gegen den Kaffee,
den schwarzen Wein Arabiens, das Gebräu mit den drei großen Nervösmachern, dem Aufputschmittel einer ganzen verkommenen Generation? Nichts. Er kassiert saftige Steuern und trinkt mit. Schauderhaft.
Die Alten wollen lieber mit als ohne ihn sterben, die Mittleren kriegen
ohne ihn kein Bein mehr aus dem Bett, und die Jüngsten, verführt durch die Werbung, dibbern vor den Tchibo-Läden herum und belästigen in ihrer Kaffeesüchtigkeit anständige Bürger: „Eh, Alter, hass ma 50 Gramm?" Kann man das unterstützen? nein. Aber verbieten kann man das auch nicht mehr.
Der Kaffee, in norddeutschen Regionen auch gern Kaffe genannt,
in Nordpolargegenden zum einsilbigen ,Kaff' („Tass Kaff, aber flott!") verkommen, er schmeckt nämlich sehr gut. Stark und bitter macht er wach und stärkt die Nerven, das heißt, er putscht sie auf bis zum Umfallen — und das ist ja genau dass, was man in der heutigen Zeit braucht. Er ist das Kokain der Alten sozusagen. Ab 100 Tassen täglich verliert er irgendwie seine Wirkung undist gleichzeitig tödlich. In geregelten Mengen tut er gut und läßt das Herzchenflattern. Der Kaffee ging den Weg aller Drogen: Erst fraßen ihn nur ein paar abessinische Ziegen und blieben die ganze Nacht hindurch auf und hüpften herum, dann hüpfte Scheich Schadili, der sie der Sage
nach Anfang des 15. Jahrhunderts dabei beobachtete - dann hüpfte ganz Arabien. Der Islam versuchte, den Kaffeegenuss zu verbieten, der deutsche Adel war noch vor200 Jahren der Meinung, Kaffeetrinken sei eigentlich nur gut für den Adel und verboten fürs Volk — aber da kann meine Oma heute nur noch drüber lachen. Für ihren Kaffee würde die auf die Barrikaden gehen.

 Hundert Jahre nach der Einführung des Kaffees in Frankreich fand dort
die Revolution statt. Anstatt sich mit Wein und Bier zuzunebeln,
hatte sich die Intelligentsia mit Kaffee frisch und wach gemacht.
Heute trinkt Helmut Kohl selber welchen — aber nur ganz, ganz schwachen.
Den starken trinken die Fernfahrer, und sie ziehen sich die geile Droge durch
die Nase rein. Kaffeepulver ist gut gegen den Brummischädel.
Yuppies, in der Hoffnung, Kaffee sei auch gut  gegen  Dummischädel, 
schieben  sich  die  Nescafeschiene mit einer Rasierklinge auf einem
kleinen Spiegelchen zurecht und ziehen sich den schwarzen Stoff in die
gierigen Schleimhäute, mit einer zusammengerollten Hunderttausend-Yen-Note, versteht sich. Mutti macht ihn gerne stark und heiß und könnte schwören darauf, daß sie den geilsten Kaffee in der ganzen Welt macht.
Den Supertrip.

 Ohne Kaffee in der Blechtasse würde der Cowboy seine Lieblingszigarette
nicht mehr  finden, geschweige denn sein  Pferd, 
ohne  Kaffee wüßte  Fidel  Castro  nicht mehr, worin er beim kubanischen Frühstückseine Zigarre löschen sollte, ohne Kaffee würde Helmut Kohl nicht mehr aufrecht sitzen können. Und was sollte dann aus unserem Staat werden?
 — Ohne einen anständigen Kaffee:
So schwarz wie unsere Seelen, so heiß, daß eine Kernfusion darin stattfindet,
und so stark, daß ein Haifisch darin steckenbleibt.
Wie sieht's aus: Nehm'wir noch ein Täßchen?

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