Angehörige2

Süchtige Beziehungen

 

Eine (fast) unendliche Geschichte

 

 

Die süchtige Beziehung präsentiert sich zunächst als ein Drama mit „beliebig“ vielen Akten .Für den unbeteiligten Zuschauer wird das Schau­spiel jedoch nach einiger Zeit uninteressant, denn die beiden Hauptdarsteller wiederholen in Varianten immer dieselben Szenen

 

 


 

Szene 1: Die Entschuldigungs- oder Beschützerphase der „Co-Abhängigkeit“.

 

 

Der Mann spielt/trinkt/überwirft sich im Jähzorn mit Freunden und behandelt die Frau lieblos und roh- Aber die Frau versteht ihn -

Er hatte heute wieder einen schweren Tag Sie bittet ihn, weniger zu spielen. weniger zu trinken, weniger zu …..Vielleicht sagt er freundlich “Ja“

Doch Für heute bleibt alles beim Alten. Wird die Frau von anderen auf das Verhalten des Mannes angesprochen, wiederholt sie seine Erklärungen und Entschuldigungen und steuert eigene dazu bei Sie meint zu wissen, was ihm wirklich fehlt und möchte ihn durch ihre Liebe heilen.

 

 

Szene 2: Die Kontrollphase

 

Der Mann hat sich verschuldet/trinkt mehr/hat

 

Für das allgemeine Verständnis von abhängigen Beziehungen kommt es nicht darauf an. ob und wenn ja welches Suchtmittel in ihnen eine Rolle spielt


 

Bald überhaupt keine Freunde mehr.

In der Beziehung kommt es zum Kampf :

Flaschen werden ausgegossen und Medikamente

 versteckt. Die Frau droht mit Liebesentzug oder

stellt Belohnung in Aussicht

 

Nach außen hin hält die Frau weiter zu ihrem

Mann und erhält die Fassade aufrecht. durch

Aktionen wie

 

 

Bezahlen von Schulden

Abholen aus der Kneipe

Entschuldigungen beim Arbeitgeber

Erklärungen gegenüber Freunden

 

 

Ist er besonders ruppig. dann ist sie besonders freundlich, damit wenigstens die ‚Paarwertung

 im Rahmen bleibt Schließlich teilt die Frau häufig die durch das Verhalten des Mannes verursachte

soziale Isolation

 

 

Diese Phase ist auf Seiten der Frau geprägt von

dem Bemühen um Kontrolle. Die Frau kann sich

ihre Ohnmacht gegenüber dem Verhalten des

 Mannes nicht eingestehen Noch hofft sie:

 

„Wenn ich mir nur genügend Mühe gebe, werde ich die

Situation in den Griff bekommen

 

 

Die Frau schämt sich: sie selbst „Liebt“ zu wenig

oder zu schlecht, sonst hätte ihr Partner das nicht nötig. Hinzu kommt. dass sich die Frau für seine Handlungen wie für eigene verantwortlich fühlt t.

Sie gehört zu ihm; er ist ein Teil von ihr Sein

 

Versagen ist auch ihres. Der Mann erhält diesen

Glauben mit aufrecht denn insgeheim fühlt er

 sich schuldig. Indem die Frau Verantwortung

für sein Verhalten übernimmt, entlastet sie ihn

Außerdem was in der Familie passiert, geht

keinen was an. Deshalb schweigt sie weiter,

 kämpft weiter, leidet weiter


 


 

 

Szene 3: Die Anklagephase


 

 


 

Der Abhängige wird zum Sündenbock. Die

Anklagephase ist erreicht Er ist schuld an allem

 was schief läuft. Er betrügt die Frau um ihr

Leben, Außer Vorwürfen und Klagen bekommt

 er nichts mehr zu hören. Möglicher weise sucht

 die Frau jetzt Unterstützung bei Freunden und

Bekannten. Aber die Erholungspausen dienen nur

dazu das Drama (unnötig ) zu verlängern

ein paar Tage raus. Abstand gewinnen. Bestätigung

im Gespräch mit Freunden — mit der gewonnen

Kraft geht sie wieder zurück in die Beziehung. Das

Karussell dreht sich weiter.

 


 

Schließlich kennzeichnen ständige Wieder-

Holungen in immer kürzer werdenden Zeitab-

­ständen die Beziehung:

 

Auf den Streit folgt die Versöhnung, auf das

 Versprechen die Enttäuschung auf jedes

Hoffnungs-Hoch ein Verzweiflungs-Tief.

 

Die Akteure drehen sich weiter im Kreise Egal.

 Wie dramatisch die Beteiligten es erleben:

Im Grunde tut sich nichts  mehr. Jedenfalls nichts , was die Situation zum Besseren hin verändert

Entscheidungsfähigkeit und an sich selbst – der

Kreis wird enger.

 

 

 

Langsam verlieren beide den Glauben an ihre

 

 

Rennert, Monika        Co-Abhängigkeit ‘Was Sucht für die Familie bedeutet

 

Freiburg i. B. Lambertus 2.Aufl. 199

 

Endstation Hilflosigkeit

 


 

Egal welche hier beschriebenen Szenen das Paar

 in einer abhängigen Beziehung gerade spielt:

 

keine ist geeignet den (suchtmittel) abhängigen

Partner zu ändern. Der Abhängige verdeckt

halb bewusst , halb unbewusst - seinen Zustand

vor sich und den anderen. Zum einen, um sich

 einen Rest an (Selbst-) Achtung zu erhalten.

 Zum anderen, weil das Eingeständnis seiner Abhängigkeit

ihn noch stärker unter Druck setzen würde.

 Sich seiner Sucht bewusst sein und  dennoch nichts

 Unternehmen- dafür gibt es keine Entschuldigung.

Mit ihrem Eingeständnis droht der Entzug.

 Seine Angst. dann ins Leere zu Fallen, ist

übermächtig


 

 


 

Jeden Versuch ihn zur Einsicht zu bringen oder ihm seine Abhängigkeit zu beweisen erlebt der Süchtige als Angriff gegen seine ganze Person. Dagegen muss er sich mit aller Kraft wehren. Er bietet ihm außerdem einen weiteren Vorwand, heim Suchtmittel Zuflucht zu suchen.


 

 

 

„Was bleibt mir schon übrig? Bei so einer Frau!“

 

Jede Erklärung, jede Entschuldigung. jede Hilfeleistung von außen verstellt dem Süchtigen den Blick auf seine Wirklichkeit.

 

Weil er im Lehen noch zurecht kommt, meint er. das es noch nicht so schlimm um ihn bestellt sei Wie sehr er bei der Bewältigung des täglichen Lebens gestützt wird, nimmt er nicht wahr.

 

Hilflosigkeit auf beiden Seiten ist schließlich das

Ergebnis. Beide der Abhängige und seine

 

Partnerin sind unfähig geworden, das eigene

leben gestaltend zu führen

 

Ihre Gedanken kreisen ständig um sein Verhalten.

Lebt er abstinent, ist sie glücklich.

Trinkt er, spielt er, . . ist sie unglücklich.

 

 

Eine Zwickmühle

 


 

Frauen, die mit einem (suchtmittel) abhängigen Partner leben sind in einer Kraftzehrenden und manchmal aussichtslos erscheinenden Situation.

 

 

Sie leben in einer Beziehung, die ihren Wünschen nach Wärme, Geborgenheit, Partnerschaft usw. in keiner Weise mehr gerecht wird. Dennoch hoffen sie verzweifelt, eines Tages ( wieder )glücklich mit ihrem Partner leben zu können und engagieren sich mit ganzer Kraft für dieses Ziel.

 

 

Andere würden sich gerne von ihrem Partner trennen, meinen aber ihren Kindern den Vater erhalten zu müssen oder können sich aus verschiedenen Gründen (z.B. finanzielle Pro-

 

Dall, Antje

 

 

Endlich reden

 

Frauen von alkoholabhängigen

 

Männern berichten

 

Hamburg; Got2enbcrg 1


 

bleme , Schuldgefühle ,Angst vor dem Alleinsein)

nicht zu diesem Schritt entschließen


 

Lask, Karl

Der Kuss der Selene

 

Frauen von Alkohol­abhängigen machen Mut

Wuppcrtol: Blaukreuz. 1988


Bemerkungen wie “Warum bleibst Du nur bei so einem Mann?“   helfen dabei der betroffenen Frau nicht,  sondern verstärken lediglich ihre negativen Gefühle und ihre Isolation.

 

 Um ihren Ausweg aus dem Dilemma zu linden, brauchen viele Frauen fachkundige Unterstützung,

 

 

Trotzdem kann ein offenes Gespräch unter

Freunden verbunden mit einem konkreten

 

Hinweis auf ein Hilfsangebot Frauen in dieser

 

Situation helfen. Die Tatsache, dass trotz allem Bemühen um  „ Geheimhaltung“  andere die

 

Situation erkennen, kann den Ausschlag geben,

 

nun Hilfe zu suchen


 

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 bei Fragen und Anmerkungen bitte             an mich