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Von Cannabis und Jugendlichen war die Rede
Am 11.10.02 informierte der Dipl. Sozialpädagoge, Achim Schäfer, im Rahmen der Vortragsreihe der Psychosozialen Beratungsstelle Schorndorf im Martin-Luther-Haus über das Dilemma der Jugend und den in letzter Zeit angewachsenen Cannabiskonsum der Jugendlichen.
Ergebnisse des Abends waren, dass Jugendliche vielerlei Probleme innerhalb des langen Wandels vom Kind zum Erwachsenen durchleben müssen. Durch Gesellschaftliche Erwartungen und den Beginn einer neuen Epoche, durch Wachstumsschübe und hormonelle Umstellungen ergeben sich bei vielen Jugendlichen Verunsicherungen und Labilisierungen. Es kommt zu Stimmungs- und Gefühlsschwankungen, die mit Identitäts- und Rollenfindungen einhergehen. Aufkeimende Autonomiebestrebungen bewirken, dass Jugendliche immer häufiger in Opposition zu ihren Eltern oder Lehrern treten. Sie begeben sich dabei auf die Suche nach ihrem eigenen Stil, der sie von der Erwachsenenwelt unterscheidet. Durch ständiges experimentieren mit Rollen, meist in Anlehnung an Idole und Vorbilder, die durch Medien suggeriert werden entsteht eine bewusste Distanzierung zur als unzuverlässig und unglaubwürdig erlebten und etablierten Erwachsenenwelt. Die stärkere Ablösung von der Familie führt zu einer vermehrten Orientierung an Gruppen der Gleichaltrigen, sog. Peer-Groups. Der Jugendliche erlebt bei Gleichaltrigen die Solidarität einer Gruppe, die im gleichen Dilemma steckt und ähnliche Bedürfnisse hat. Dort wird Anerkennung und Sicherheit erlebt und auf die Kultur der Erwachsenen kann verzichtet werden. Festgehalten wird dabei an Identitätsspendenden Verhaltensstandards wie Frisur, Kleidung, Sprache und Habitus. Während dieser Zeit beschäftigt sich der Jugendliche mit drei wichtigen Fragen, „wer bin ich?“, „wie sehen mich die Anderen?“, „wie möchte ich sein?“. Diese Fragen ziehen sich durch die ganze Zeit der Entwicklung zum Erwachsenen, teilweise sogar darüber hinaus. Falls dafür keine passenden Antworten gefunden werden können und die Suche nach der Ich-Identität erfolglos verläuft können bei vielen Jugendlichen überbelastende Dauerspannungen eintreten, die entweder zu Überanpassung an das System zur Folge haben könnten oder aber zu ausweichendem Verhalten der Sucht führen kann. Als weiter Indikatoren, die evtl. eine Suchtgefährdung mit sich bringen könnten waren auf allen Gebieten absinkende Schulleistungen, ein bisher enger Freundeskreis wird komplett aufgegeben, der Jugendliche begibt sich in Isolation oder ein Schul- oder Ausbildungsabbruch endet in einer völligen Resignation. Im weiteren Verlauf des Vortrags stellte Achim Schäfer den Suchtentstehungsprozeß näher dar, der in der Regel fließend verläuft. Zu Beginn einer Suchtentwicklung steht der Genuß, über den Gebrauch und ausweichendes Verhalten (Erleichterungstrinken, Problemlösung wird mit Suchtmittel angestrebt) kommt man nahtlos zum Missbrauch, der bereits ganz nah bei der Suchtmittelabhängigkeit anzusiedeln wäre. Der letzte Teil des Abends handelte von einem bei Jugendlichen sehr beliebten Suchtmittel, das von 26 % im Alter zwischen 12 und 25 Jahren bereits konsumiert wurde, dem Cannabis. Achim Schäfer stellte das Für und Wider der Hanfpflanze und dessen Wirkstoff gegenüber, wobei deutlich die Gefahren wie psychische Abhängigkeit, Denkstörungen, amotivationales Syndrom (zunehmende Teilnahmslosigkeit mit Verlust von Aktivität und Euphorie und in seltenen Fällen auch Psychosen, zum Teil mit Halluzinationen, betont wurden. In der anschließenden offenen Diskussion stellte sich heraus, dass Jugendliche eine größere Lobbyarbeit benötigen, um sie stark zu machen Suchtmitteln zu widerstehen oder sie zu einem verantwortungsvollen Umgang mit selbigen zu bewegen. Vertrauen gegenüber den Kindern, Übertragung von Verantwortung, Verständnis für die alltäglichen Probleme sowie mehr Zeit für Kinder und Jugendliche waren weitere Attribute, die zu einer Suchtprophylaxe beitragen.
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