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Selbst ist die Frau
Indem die Frau die Initiative ergreift, steht sie plötzlich selbst im Mittelpunkt des Geschehens, Sie ist nicht mit-abhängig vom Suchtmittel des Mannes,sondern abhängig von ihrem Partner. Ihre eigene Lebenssituation kann sie verändern. Daß sich dadurch auch ihr Partner verändern wird kann ihr niemand garantieren.
„Nicht-Hilfe“, das heißt beileibe nicht Nichtstun.
Für die Frau ist der Weg der „Nicht-Hilfe“ ein umfassender Prozess der Veränderung, durchaus vergleichbar mit dem Prozess der Suchtbewältigung. Hier wie dort sind eine Vielzahl von neuen Einstellungen und Verhaltensweisen zu erlernen und in die Tat umzusetzen Die Analogie wird noch deutlicher wenn man sich vorstellt. daß die Konzentration auf eine Beziehung ebenso vollständig und besetzend wie die Fixierung auf eine Droge sein kann
Woititz, Janet G.
Ähnlich wie für den Süchtigen, der sein Suchtmittel aufgibt, klafft auch im leben der „Co-Abhängigen“ mit der Verhaltens Änderung eine Lücke. Energien werden frei und müssen nun für die Gestaltung des eigenen Lebens eingesetzt werden. Eine schwierige Aufgabe, wenn man jahrelang alle eigenen Interessen und Freundschaften vernachlässigt hat
Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit Wie erwachsene Kinder von Suchtkranken Nähe zulassen können
MVnc.ticn: Kösel. 1991
Eine Frau ist….
Für Frauen ist das „ Nicht –Helfen“ besonders schwierig, da es in deutlichem Kontrast zur geübten und sozial akzeptierten Frauenrolle steht.
Co-Abhängige Frauen fürchten die Reaktionen ihrer Umwelt, Leider nicht zu Unrecht.
„Du bist so Hart geworden“ „Wie kannst du nur Zusehen wie er..“ „Du denkst nur noch an Dich“
Solche Sätze bekommen viele Frauen zu hören. Von Frauen wird erwartet daß sie die Verantwortung für Ihren kranken Partner tragen, auch zur Entlastung der anderen, „ Vielleicht sollte man mal…… aber er hat ja seine Frau“
Solche Bemerkungen sind Wasser auf die Mühlen ihrer Angst Sie quält sich ohnehin mit Gedanken wie „Alles wird noch schlimmer werden! Er wirdvöllig Abgleiten! Er wird seinen Arbeitsplatz verlieren“ Und so weiter und so fort!
Eines jedenfalls ist sicher. die beiden ersten und wichtigsten Schritte der Veränderung haben alle Frauen, die sich an eine Beratungsstelle eine Selbsthilfeorganisation oder einen Abstinenzverband wenden, bereits gemacht:
Sie haben erkannt. daß sie in einer kraft Zehrenden Situation sind, die ihnen völlig zu entgleiten droht.
Sie sind bereit, Hilfe anzunehmen.
Der „Gewinn“ aus der „Co-Sucht“
Gelingt es der Frau. ihre Alte Rolle zu verlassen, wird — ebenso wie für den Süchtigen, der sein Suchtmittel aufgibt - der Nutzen. den ihr bisheriges Verhalten für sie hatte, sichtbar
Über den Umweg, Verantwortung für einen anderen zu übernehmen wird die Verantwortung für das eigene Leben delegiert
„Du bist schuld daran, das es mir schlecht geht‘‘
Die vollständige Konzentration auf den Süchtigen versperrt und erspart die .Auseinandersetzung mit den Problemen der eigenen Persönlichkeit
Die misslungenen Hilfeversuche sind einerseits eine Quelle ständiger Frustration und kosten sehr viel Energie andererseits bieten sie Beschäftigung und die Bestätigung eine „gute“ Frau zu sein Die Suchterkrankung des Partners führt zu einem Zuwachs an Macht. Die Frau
wird dadurch z.B. zum Finanzminister der Familie, zur alleinigen Ansprechpartnerin für
Der Co-Begriff wird nicht nur in der Suchtkrankenhilfe. sondern auch in gesamten Bereich der psychischen Erkrankungen Verwendet.
So wird beispielsweise auch vom Co-Depressiven gesprochen
Es gehören immer zwei dazu
Der Volksmund weiß es mal wieder schon lange
die Kinder, Freunde und. Verwandten und
wird von ihnen für ihreHilfsbereitschaft rund Stärke gelobt.
Für die Frau ist es schmerzhaft zu erkennen, daß sie –unbewusst -Nutzen aus der Abhängigkeit ihres Partners gezogen hat. Es ist schwer für sie zu akzeptieren daß sie für das, was sie glaubt versäumt zu haben ,selbst die Verantwortung trägtZwar ist sie nicht für die Sucht ihres Partners verantwortlich, aber die Sucht ihres Partners ist auch nicht Schuld am Misslingen ihres Lebens.
Das Auftauchen der eigenen Geschichte
Viele Frauen haben, nachdem Sie ihr eigenes Leben (wieder) in die Hand genommen haben, das Bedürfnis und die Chance, mehr über sich zu erfahren. Vielleicht sind sie auch neugierig geworden. Denn seltsam ist es ja manchmal schon,
„was Frau so alles mit sich machen lässt“
Viele Frauen, die dieser Frage nachgehen, erkennen allmählich,
daß nicht Liebe ‚ sondern die ungestillte. Sehnsucht nach Liebe und
die übergroße Angst vor dem Verlassenwerden Grundlage der Beziehung sind. Bereits in ihrer Kindheit wurde ihren emotionalen Bedürfnissen nach Wärme und Geborgenheit usw. nicht entsprochen Dafür übernahmen sie selbst die Verantwortung und gaben sich selbst die Schuld.
„Im Grunde glauben sie heute noch nicht, daß sie es wert sind, geliebt zu werden“
Mit ihrem „hilfsbedürftigen“ Partner wiederholen sie das altbekannte Beziehungsmuster. Wieder übernehmen sie die Verantwortung für das Verhalten des anderen Sie kümmern sich um den Partner in der Hoffnung, später einmal selbst umsorgt zu werden.
„Noch immer versuchen sie, sich die Liebe zu
verdienen, die man ihnen als Kind verweigerte“
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Norwood. Robin
Wenn Frauen zu sehr lieben
Die heimliche Sucht, gebraucht zu werden
Reinbek Rowohlt, 1986
Fallstricke der Liebe
Lazarus, Arnold vierundzwanzig Irrturner über das Leben zu zweit Stuttgart, Klett-Cotta, 1988
Einen Hinweis auf die Bedeutung dieses Problems ist der große Erfolg des Buches-,
„Wenn Frauen :u sehr lieben Die heimliche Sucht gebraucht zuwerden“
von Robin Norwood.
Robin Norwood vergleicht die Fixierung der
Frau auf einen Mann mit der Fixierung eines Mannes auf Alkohol und bezeichnet die Frau als
„Beziehungssüchtig“.
Sehr viele Frauen haben sich nach ihrem Rat zu Selbsthilfegruppen zusammen geschlossen, um ihre „Liebessucht“ zu überwinden.
Sie möchten nicht länger daß ihre Beziehungen zu Männern die Energie absorbieren, die sie für die aktive Gestaltung ihres eigenen Lebens brauchen
Warum bin ich so geworden? Wie war das damals? Warum gelingt es mir nicht eine gleichberechtigte und partnerschaftliche Beziehung zu leben?
Mögliche Erklärungen gibt es viele:
So wie jede Süchtige ihre Lebensgeschichte neu sehen und begreifen kann , kann das auch jede „co-abhängige“ Frau, überhaupt jeder Mensch tun. Immer werden die in der Herkunftsfamilie gemachten Erfahrungen eine zentrale Rolle spielen. Allgemein gültige Erklärungen nach dem Muster „wenn… ‚ dann….“ gibt es dabei nicht.
Auch ganz normale „Beziehungssüchtige“ kommen aus ganz normalen Familien.
Der Rückfall
Negative Reaktionen von Bekannten und Freunden, Druck von Seiten des Abhängigen und die Ängste um ihn, das Auftauchen der ungelösten Probleme der eigenen Persönlichkeit es ist verständlich, dass die Frau häufig trotz guten Vorsätze und wider besseren Wissens in ihre alte Rolle zurückfällt. Verständlich auch dass viele Frauen obwohl sie sich nichts sehnlicher wünschen , als dass ihr Partner sich ändert, und sie fast ihre gesamte Energie in dieses Ziel investieren, eine tatsächliche Veränderung ihres Partners nur schwer annehmen können.
Manche Frauen scheinen vom Unglück verfolgt zu werden: Nach der endlich geglückten Trennung von ihrem Partner oder gar dessen Tod, gehen sie eine nette Beziehung ein Doch schon bald wird deutlich dass der neue Partner ebenfalls sucht krank ist und sich das alte Spiel wiederholen wird, Was dabei wie Pech aussieht, wird - unbewusst - durch die betroffenen Frauen selbst herbeigeführt, Aus Angst vor dem Unbekannten und den damit verbundenen Anforderungen an sie wählen sie immer wieder Partner, mit denen sie das alte Beziehungsmuster wiederholen können
Darüber hinaus ist für sie an das Wiederherstellen der alten Situation ihre größte Sehnsucht geknüpft. Vielleicht werden sie dieses Mal den Kampf gewinnen und für die demütigenden Ohnmachtserfahrungen der Vergangenheit entschädigt.
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