Angehörige4

Selbst ist die Frau

 

Indem die Frau die Initiative ergreift, steht sie plötzlich selbst im Mittelpunkt des Geschehens, Sie ist nicht mit-abhängig vom Suchtmittel des Mannes,sondern abhängig von ihrem Partner. Ihre eigene Lebenssituation kann sie verändern. Daß sich dadurch auch ihr Partner verändern wird kann ihr niemand garantieren.

 

 

„Nicht-Hilfe“, das heißt beileibe nicht Nichtstun.

 

Für die Frau ist der Weg der „Nicht-Hilfe“ ein umfassender Prozess der Veränderung, durch­aus vergleichbar mit dem Prozess der Sucht­bewältigung. Hier wie dort sind eine Vielzahl von neuen Einstellungen und Verhaltensweisen zu erlernen und in die Tat umzusetzen Die Analogie wird noch deutlicher wenn man sich vorstellt. daß die Konzentration auf eine Beziehung ebenso vollständig und besetzend wie die Fixierung auf eine Droge sein kann

                                                                                           Woititz, Janet G.

 


 

Ähnlich wie für den Süchtigen, der sein Sucht­mittel aufgibt, klafft auch im leben der „Co-Abhängigen“ mit der Verhaltens Änderung eine Lücke. Energien werden frei und müssen nun für die Gestaltung des eigenen Lebens eingesetzt werden. Eine schwierige Aufgabe, wenn man jahrelang alle eigenen Interessen und Freundschaften vernachlässigt hat

Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit Wie erwachsene Kinder von Suchtkranken Nähe zulassen können

 

MVnc.ticn: Kösel. 1991     


 

Eine Frau ist….

 

Für Frauen ist das „ Nicht –Helfen“ besonders schwierig, da es in deutlichem Kontrast zur geübten und sozial akzeptierten Frauenrolle steht.

 

 

Co-Abhängige Frauen fürchten die Reaktionen ihrer Umwelt, Leider nicht zu Unrecht.

 

„Du bist so Hart geworden“ „Wie kannst du nur Zusehen wie er..“ „Du denkst nur noch an Dich“

 Solche Sätze bekommen viele Frauen zu hören. Von Frauen wird erwartet daß sie die Verantwortung für Ihren kranken Partner tragen, auch zur Entlastung  der anderen, „ Vielleicht sollte man mal……  aber er hat ja seine Frau“

 

Solche Bemerkungen sind Wasser auf die Mühlen ihrer Angst Sie quält sich ohnehin mit  Gedanken wie „Alles wird noch schlimmer werden! Er wirdvöllig Abgleiten! Er wird seinen Arbeitsplatz verlieren“ Und so weiter und so fort!

 

 

Eines jedenfalls ist sicher. die beiden ersten und wichtigsten Schritte der Veränderung haben alle Frauen, die sich an eine Beratungsstelle eine Selbsthilfeorganisation oder einen Abstinenzverband wenden, bereits gemacht:

 

 

Sie haben erkannt. daß sie in einer kraft Zehrenden Situation sind, die ihnen völlig zu entgleiten droht.

 

Sie sind bereit, Hilfe anzunehmen.


 

Der „Gewinn“ aus der „Co-Sucht“

 


 

Gelingt es der Frau. ihre Alte Rolle zu verlassen, wird — ebenso wie für den Süchtigen, der sein Suchtmittel aufgibt - der Nutzen. den ihr bisheriges Verhalten für sie hatte, sichtbar

 

 

Über den Umweg, Verantwortung für einen anderen zu übernehmen wird die Verantwortung­ für das eigene Leben delegiert

 

„Du bist schuld daran, das es mir schlecht geht‘‘

 

Die vollständige Konzentration auf den Süchtigen versperrt und erspart die .Auseinandersetzung mit den Problemen der eigenen Persönlichkeit

 

Die misslungenen Hilfeversuche sind einerseits eine Quelle ständiger Frustration und kosten sehr viel Energie andererseits bieten sie Beschäftigung und die Bestätigung eine „gute“ Frau zu sein Die Suchterkrankung des Partners führt zu einem Zuwachs an Macht. Die Frau

wird dadurch z.B. zum Finanzminister der Familie, zur alleinigen Ansprechpartnerin für

 

Der Co-Begriff wird nicht nur in der Suchtkranken­hilfe. sondern auch in gesamten Bereich der psychischen Erkrankungen Verwendet.

 

So wird beispielsweise auch vom Co-Depressiven gesprochen

 

Es gehören immer zwei dazu

 

Der Volksmund weiß es mal wieder schon lange


 

die Kinder, Freunde und. Verwandten und

wird von ihnen für ihreHilfsbereitschaft rund Stärke gelobt.

 

Für die Frau ist es schmerzhaft zu erkennen, daß sie –unbewusst -Nutzen aus der Abhängigkeit ihres Partners gezogen hat. Es ist schwer für sie zu akzeptieren daß sie für das, was sie glaubt versäumt zu haben ,selbst die Verantwortung trägtZwar ist sie nicht für die Sucht  ihres Partners verantwortlich, aber die Sucht ihres Partners ist auch nicht Schuld am Misslingen ihres Lebens.


 

Das Auftauchen der eigenen Geschichte


 

Viele Frauen haben, nachdem Sie ihr eigenes Leben (wieder) in die Hand genommen haben, das Bedürfnis und die Chance, mehr über sich zu erfahren. Vielleicht  sind sie auch neu­gierig geworden. Denn seltsam ist es ja manchmal schon,

 

 „was Frau so alles mit sich machen lässt“

 

Viele Frauen, die dieser Frage nachgehen, erkennen allmählich,

daß nicht Liebe ‚ sondern die ungestillte. Sehnsucht nach Liebe und

die über­große Angst vor dem Verlassenwerden Grundlage der Beziehung sind. Bereits in ihrer Kindheit wurde ihren emotionalen Bedürfnissen nach Wärme und Geborgenheit usw. nicht entsprochen Dafür übernahmen sie selbst die Verantwortung und gaben sich selbst die Schuld.

 

„Im Grunde glauben sie heute noch nicht, daß sie es wert sind, geliebt zu werden“


 

Mit ihrem „hilfsbedürftigen“ Partner wieder­holen sie das altbekannte Beziehungsmuster. Wieder übernehmen sie die Verantwortung für das Verhalten des anderen Sie kümmern sich um den Partner in der Hoffnung, später einmal selbst umsorgt zu werden.

 

 „Noch immer versuchen sie, sich die Liebe zu

  verdienen, die man ihnen als Kind verweigerte“

.

Norwood. Robin

Wenn Frauen zu sehr lieben

Die heimliche Sucht, gebraucht zu werden

Reinbek Rowohlt, 1986

 

Fallstricke der Liebe

Lazarus, Arnold vierundzwanzig Irrturner über das Leben zu zweit Stuttgart, Klett-Cotta, 1988

 

Einen Hinweis auf die Bedeutung dieses Problems ist der große Erfolg des Buches-,

„Wenn Frauen :u sehr lieben Die heimliche Sucht gebraucht  zuwerden“

von Robin Norwood.

 

Robin Norwood vergleicht die Fixierung der


 

Frau auf einen Mann mit der Fixierung eines Mannes auf Alkohol und bezeichnet die Frau als

„Beziehungssüchtig“.

 

Sehr viele Frauen haben sich nach ihrem Rat zu Selbsthilfegruppen zusammen geschlossen, um ihre „Liebessucht“ zu überwinden.

 

Sie möchten nicht länger daß ihre Beziehungen zu Männern die Energie absorbieren, die sie für die aktive Gestaltung ihres eigenen Lebens brauchen

 

Warum bin ich so geworden? Wie war das damals? Warum gelingt es mir nicht eine gleichberechtigte und partnerschaftliche Beziehung zu leben?

 

Mögliche Erklärungen gibt es viele:

 

So wie jede Süchtige ihre Lebensgeschichte neu sehen und begreifen kann , kann das auch jede  „co-abhängige“ Frau, überhaupt jeder Mensch tun. Immer werden die in der Herkunftsfamilie gemachten Erfahrungen eine zentrale Rolle spielen. Allgemein gültige Erklärungen nach dem Muster „wenn… ‚ dann….“ gibt es dabei nicht.

 Auch ganz normale „Beziehungssüchtige“ kommen aus ganz normalen Familien.

 

Der Rückfall

 

Negative Reaktionen von Bekannten und Freunden, Druck von Seiten des Abhängigen und die Ängste um ihn, das Auftauchen der ungelösten Probleme der eigenen Persönlichkeit es ist verständlich, dass die Frau häufig trotz guten Vorsätze und wider besseren Wissens in ihre alte Rolle zurückfällt. Verständlich auch  dass viele Frauen obwohl sie sich nichts sehnlicher wünschen , als dass ihr Partner sich ändert, und sie fast ihre gesamte Energie in dieses Ziel investieren, eine tatsächliche Veränderung ihres Partners nur schwer annehmen können.

 

Manche Frauen scheinen vom Unglück verfolgt zu werden: Nach der endlich geglückten Trennung von ihrem Partner oder gar dessen Tod, gehen sie eine nette Beziehung ein Doch schon bald wird deutlich dass der neue Partner ebenfalls sucht krank ist und sich das alte Spiel wiederholen wird, Was dabei wie Pech aussieht, wird - unbewusst - durch die betroffenen Frauen selbst herbeigeführt, Aus Angst vor dem Unbekannten und den damit verbundenen Anforderungen an sie wählen sie immer wieder Partner, mit denen sie das alte Beziehungsmuster wiederholen können

Darüber hinaus ist für sie an das Wiederherstellen der alten Situation ihre größte Sehnsucht geknüpft. Vielleicht werden sie dieses Mal den Kampf gewinnen und für die demütigenden Ohnmachtserfahrungen der Vergangenheit entschädigt.


 

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